Der Import ist selten das eigentliche Problem
Datenmigration klingt nach Technik. Nach Export, Import, CSV, API, Datenbank und ein paar Feldern, die irgendwie zusammengeführt werden müssen. In der Praxis ist der technische Teil aber oft nicht der schwierigste. Schwierig wird es dort, wo niemand genau sagen kann, welche Daten eigentlich richtig sind.
Viele Bestände sind über Jahre gewachsen. Produktdaten wurden ergänzt, Inhalte mehrfach kopiert, Kategorien umbenannt, Bilder anders abgelegt, alte Felder nicht gelöscht und neue Felder einfach daneben gesetzt. Wenn so ein Bestand ungeprüft in ein neues System wandert, wird nicht modernisiert. Dann zieht nur der alte Zustand um.
Vor der Migration muss klar sein, was mitziehen soll
Eine gute Migration beginnt deshalb mit einer Bestandsaufnahme. Welche Inhalte gibt es? Welche davon werden noch gebraucht? Welche Felder sind wirklich relevant? Welche Daten sind doppelt, veraltet oder widersprüchlich? Und welche Informationen fehlen, obwohl das neue System sie eigentlich braucht?
Gerade bei Websites, Shops, Produktdaten, Kundenlisten oder alten CMS-Strukturen lohnt sich dieser Schritt. Er verhindert, dass ein neues System direkt mit Altlasten startet. Eine Migration ist immer auch eine Chance, Ordnung herzustellen.
- Welche Datentypen werden übernommen?
- Welche Felder gibt es im alten System und welche im neuen?
- Welche Inhalte sind doppelt, veraltet oder unvollständig?
- Welche Daten müssen vereinheitlicht werden?
- Welche Bilder, Dateien oder Medien gehören zu welchen Einträgen?
- Welche Weiterleitungen oder alten URLs müssen erhalten bleiben?
Daten brauchen Regeln
Ohne klare Regeln wird eine Migration schnell zur Handarbeit. Dann wird während des Imports entschieden, ob ein Feld leer bleiben darf, wie Kategorien heißen, ob alte Schreibweisen übernommen werden oder ob Bilder neu zugeordnet werden müssen. Das kostet Zeit und erhöht die Fehlerquote.
Besser ist ein Mapping: Altes Feld zu neuem Feld, alte Kategorie zu neuer Kategorie, alte URL zu neuer URL. Dazu kommen Regeln für Sonderfälle. Was passiert mit fehlenden Bildern? Was passiert mit Produkten ohne Preis? Was passiert mit Beiträgen ohne Datum? Je früher solche Fragen geklärt sind, desto stabiler wird der Import.
Bereinigung gehört zur Migration
Eine Migration muss nicht alles übernehmen, nur weil es technisch möglich ist. Gerade alte Webseiten enthalten oft Seiten, Dateien und Inhalte, die seit Jahren niemand mehr braucht. Shops haben Produktvarianten, die nicht mehr verkauft werden. Datenbanken enthalten Felder, die aus früheren Prozessen übrig geblieben sind.
Diese Bereinigung ist keine lästige Vorarbeit, sondern Teil der Qualität. Weniger, aber sauberere Daten sind im neuen System meist wertvoller als ein vollständiger Import mit vielen offenen Fragen. Das gilt auch für SEO: Alte URLs, wichtige Inhalte und gewachsene Sichtbarkeit müssen berücksichtigt werden. Aber nicht jede alte Unterseite verdient automatisch ein neues Zuhause.
Testläufe sind Pflicht
Eine saubere Migration wird nicht direkt live ausprobiert. Vorher braucht es Testimporte. Erst mit echten Daten wird sichtbar, ob Felder richtig zugeordnet sind, ob Sonderzeichen funktionieren, ob Bilder gefunden werden, ob Links noch stimmen und ob die neue Struktur wirklich trägt.
Dabei werden nicht nur technische Fehler gesucht. Es geht auch um fachliche Kontrolle: Stimmen Titel, Reihenfolgen, Kategorien, Preise, Ansprechpartner, Downloads, Teaser und URLs? Bei größeren Beständen hilft eine Stichprobe. Bei kritischen Daten sollte genauer geprüft werden.
Migration ist auch Übergabe
Nach der Migration sollte klar sein, wie die Daten künftig gepflegt werden. Sonst beginnt das Chaos von vorn. Welche Felder sind Pflicht? Wer darf Kategorien anlegen? Welche Bildgrößen werden gebraucht? Welche Inhalte bleiben redaktionell und welche werden automatisiert übernommen?
Gerade wenn Daten aus mehreren Quellen kommen, lohnt sich eine einfache Dokumentation. Sie muss nicht groß sein. Aber sie sollte festhalten, welche Regeln gelten und woher Informationen kommen. Das spart später Rückfragen und macht das neue System langfristig wartbarer.
Nicht jede Migration braucht ein großes System
Manchmal reicht ein sauberer Export, eine bereinigte Tabelle und ein einmaliger Import. Manchmal braucht es ein Skript, das Daten umformt. Manchmal ist eine Schnittstelle sinnvoll. Und manchmal zeigt die Vorbereitung, dass ein eigener kleiner Prozess oder ein internes Tool langfristig besser wäre als immer neue Tabellen.
Entscheidend ist nicht, möglichst komplex zu migrieren. Entscheidend ist, dass die Daten nach dem Umzug im Alltag funktionieren.