Umzug ist nicht gleich Umzug
Wenn von einem Website-Umzug gesprochen wird, können sehr unterschiedliche Dinge gemeint sein. Manchmal zieht eine WordPress-Seite von einer Domain auf eine andere. Manchmal bleibt die Domain gleich, aber der Server wechselt. Manchmal sollen Inhalte aus Joomla, TYPO3 oder einem alten WordPress in ein neues System übernommen werden.
Diese Fälle sehen von außen ähnlich aus, sind technisch aber sehr unterschiedlich. Bei einem einfachen Domainwechsel geht es oft um Dateien, Datenbank, Such-Ersetzen und DNS. Bei einem CMS-Wechsel geht es zusätzlich um Datenmodelle, Templates, Mediatheken, URLs und die Frage, ob die alte Struktur überhaupt sinnvoll übernommen werden kann.
WordPress zu WordPress kann einfach sein
Ein WordPress-Umzug auf eine neue Domain oder einen neuen Server kann sehr unkompliziert sein. Tools wie Duplicator helfen dabei, Dateien und Datenbank zu sichern, hochzuladen und am Ziel wieder einzuspielen. Wenn die Seite sauber gebaut ist, die Datenbank nicht aus allen Nähten platzt und der neue Server ähnliche Voraussetzungen mitbringt, kann so ein Umzug gut vorbereitet in kurzer Zeit sauber laufen.
Das gilt besonders, wenn dynamische Inhalte strukturiert gepflegt wurden, zum Beispiel mit Advanced Custom Fields oder klaren Beitragstypen. Dann lassen sich Inhalte, Felder und Medien oft nachvollziehbar übertragen. Trotzdem muss geprüft werden, ob Pfade, URLs, Formulare, Weiterleitungen, Cache, E-Mail-Versand und Servereinstellungen danach noch funktionieren.
WordPress zu WordPress kann trotzdem ein Neubau sein
Schwieriger wird es, wenn ein veralteter Page Builder jede Seite individuell zusammengebaut hat. Dann steckt der eigentliche Inhalt häufig nicht sauber in Feldern, sondern in komplexen Builder-Strukturen, Shortcodes oder verschachtelten Layoutdaten. Ein Export und Import bringt die Daten dann zwar irgendwie rüber, aber nicht unbedingt in eine nutzbare, saubere neue Struktur.
In solchen Fällen bedeutet auch WordPress zu WordPress unter Umständen: Inhalte neu extrahieren, sortieren und wieder sauber aufbauen. Manchmal werden Daten aus dem Frontend ausgelesen, bereinigt und anschließend in ein neues System importiert. Das klingt umständlicher, kann aber langfristig deutlich besser sein als alte Builder-Probleme mitzunehmen.
- Sind Inhalte strukturiert gepflegt oder in Page-Builder-Blöcken versteckt?
- Wie groß sind Dateien und Datenbank wirklich?
- Welche PHP-Version, Limits und Servermodule braucht die Seite?
- Welche Formulare, Cronjobs, Plugins oder Schnittstellen hängen daran?
- Müssen alte URLs weitergeleitet werden?
- Liegen E-Mails beim selben Hosting und ziehen sie mit?
Domainwechsel und Serverwechsel sind eigene Themen
Ein Domainwechsel bedeutet: Die Website läuft künftig unter einer anderen Adresse. Dabei müssen interne Links, Medienpfade, Canonicals, Formulare, Weiterleitungen und Suchmaschinen-Signale geprüft werden. Ein Plugin kann viel vorbereiten, aber die Kontrolle danach bleibt wichtig.
Ein Serverwechsel ist wieder etwas anderes. Die Domain bleibt gleich, aber die technische Umgebung ändert sich. Das betrifft PHP-Version, Datenbank, Speicherlimits, Dateirechte, Cache, SSL, DNS und manchmal auch Mails. Wenn E-Mail-Konten beim Hosting liegen, ist der Umzug der Postfächer ein eigenes Projekt. Dann geht es nicht mehr nur um die Website, sondern auch um Erreichbarkeit, Postfächer, Weiterleitungen, IMAP-Synchronisation und Ausfallzeiten.
Alte Websites brauchen mehr Reserve
Je älter eine Website ist, desto höher ist das Risiko für Überraschungen. Eine Seite kann vier Gigabyte groß sein, obwohl sie optisch klein wirkt. Eine Datenbank kann über Jahre gewachsen sein, ohne dass jemand im Alltag einen Blick darauf hat. Alte Backups, Logdaten, Transients, Revisionen, Cache-Tabellen oder nicht mehr genutzte Plugins können einen Umzug deutlich verlangsamen.
Dazu kommt der Zielserver. Andere PHP-Version, strengere Limits oder fehlende Module können dafür sorgen, dass eine Seite nach dem Import nicht sofort läuft. Dann ist der eigentliche Upload nur ein Teil der Arbeit. Bereinigung, Sicherung, Übertragung, Tests, Fehlersuche und DNS-Umstellung summieren sich schnell.
Joomla, TYPO3 und WordPress passen nicht automatisch zusammen
Bei einem Wechsel zwischen Joomla, TYPO3, WordPress oder anderen Systemen wird es noch deutlicher: Import- und Export-Plugins können helfen, aber sie machen selten aus einer alten Website automatisch eine funktionierende neue Website. Sie übertragen strukturierte Daten, aber nicht unbedingt Logik, Templates, Layouts, Medienbeziehungen und redaktionelle Arbeitsweisen.
Oft ist eine kontrollierte Migration über CSV, XML, API oder ein eigenes Zwischenskript einfacher als der Versuch, zwei Systeme direkt miteinander sprechen zu lassen. Wichtig ist nicht, dass möglichst viel automatisch importiert wird. Wichtig ist, dass am Ende eine saubere Struktur entsteht, mit der weitergearbeitet werden kann.
Nach dem Umzug beginnt die Prüfung
Nach einem Website-Umzug muss getestet werden. Startseite allein reicht nicht. Wichtige Unterseiten, Formulare, Suche, Login, Medien, Downloads, Weiterleitungen, Tracking, SEO-Daten, Sitemap, robots.txt, SSL, E-Mail-Versand und Performance sollten geprüft werden.
Gerade bei Domain- oder Serverwechseln lohnt sich eine Checkliste. Sie reduziert blinde Flecken und macht nachvollziehbar, was erledigt ist. Ein sauberer Umzug ist nicht nur dann gut, wenn die Seite wieder sichtbar ist. Er ist gut, wenn sie stabil läuft, erreichbar bleibt und keine wichtigen Daten, URLs oder Funktionen verloren hat.